Über uns

 

Wir schreiben das Jahr 1975. Mönchengladbach wird zum dritten Mal Deutscher Fussballmeister, das Gesetz zur Volljährigkeit mit 18 statt 21 Jahren tritt in Kraft, Franz Josef Strauss trifft Mao Tse Tung in China, und in Sebbeterode im nordhessischen Bergland treffen sich einige Jugendliche regelmäßig, um miteinander Moped zu fahren. Sie beschließen, künftig unter einem gemeinsamen Namen um die Ecken zu düsen und sich nach außen als Einheit zu präsentieren.

 

Der Adler schmückt das Colour

Der passende Name ist schnell gefunden. Eagles der Adler muß es sein, verkörpert doch der König der Lüfte wie kein anderes Tier den Wunsch nach Freiheit und Abenteuer. Und da das angestammte Revier der Truppe die Highlands in Nordhessen sind, ergibt sich zwangsläufig ein Clubname, der eine lang währende Clubgeschichte schreiben soll: Eagles MC Highland.

 

Das passende Rückencolour zum Namen haben die Eagles auch schon im Kopf. In Anlehnung an ein Plattencover führt der Adler ein Schwert in den Fängen, um über den Highlands zu wachen, was er auch nach 30 Jahren noch in unveränderter Form wahrnimmt. Lediglich die Form des Colours hat sich geändert, und das ursprünglich einteilige Colour tragen sie seit 1990 dreiteilig. Das Aufsehen in der kleinen Gemeinde war groß, und spätestens nach den ersten gemeinsamen Fahrten durch das Dorf wusste jeder: Der Eagles MC Highland ist "on the road".

 

Acht Gründungsmitglieder waren es, von denen bis beute Dieter und Renate dem Club erhalten blieben. Dieter, der als Vize vor 30 Jahren begann, übt seit Jahren das Amt des Präsidenten aus. Renate hat seit der ersten Stunde als Kassenwartin ein waches Auge auf die Finanzen des Clubs.

 

Einmal im Monat ist Sitzung

Was folgte, ist die Geschichte vieler Clubs im Laufe der Zeit. Zusammenschlüsse wurden gefunden, die sich wieder auflösten. Member kamen dazu, die doch nicht passten und wieder aus der Clubgeschichte verschwanden.

So gefragt war die Mitgliedschaft bei den Eagles MC Highland, dass 1981 zeitweilig ein Aufnahmestopp verhängt werden musste. Mit mehr als 40 Mitgliedern drohte der Club unübersichtlich zu werden.

 

Anfangs trugen auch die Frauen Colour

Auch Frauen konnten in den Anfangsjahren des Clubs Fullmember werden. Das führte allerdings auf Rally- und Partybesuchen immer wieder zu Problemen. Deshalb beschlossen die Eagles, nur noch Männer als Fullmember das Rückencolour tragen zu lassen. das bedeutete allerdings nicht, dass die Frauen aus dem Clubleben ausgeschlossen wurden, es bezog sich nur auf das Tragen des Colours.

Bis heute sind die Frauen des Clubs aktiv dabei und auf den Ausfahrten mit dem eigenen Bike unterwegs. Und mit Renate, die seit 1975 die Clubkasse verwaltet, ist eine Frau tragende Säule im Club, von allen hundertprozentig akzeptiert und jederzeit uneingeschränkt für die Belange des Clubs da. Auch die Familien sind fest in das Clubleben eingebunden.

Im Gespäch mit den Membern des MC Eagles Highland wird schnell klar, daß es sich hier um gestandene Biker handelt, die allesamt auf ein langes Szeneleben zurückschauen und genau wissen, was sie wollen und wofür sie stehen. Ein echter MC, in dem jeder für den anderen da ist, und für die eigenen Standpunkte eindeutig und kompromisslos eintritt.

Probleme mit Gebietsansprüchen gibt es nicht. "Hier sind wir, das reicht und bleibt auch so!" sagt Rolf, seit einem Jahr Vize des Clubs. Er übernahm das Amt von Leo, der es nach fast 20 Jahren abgab.

 

Ein klares Bekenntnis, wo der MC Eagles Highland in der Szene steht, bringen sie in der einheitlich getragenen Red & White Supportschleife zum Ausdruck. Gute Kontakte unterhalten sie zu den Hells Angels Chartern Kassel und Westend. Dabei beziehen sie eindeutig Stellung: "Wir sind und bleiben der Eagles MC Highland". Solch eindeutige Clubpolitik kann und will nicht jeder mitmachen. So bildete sich im Lauf der Jahre ein harter Kern, auf den man zählen kann.

 

Derzeit besteht der Club aus 18 Full-Membern, und es wird genau geschaut, wer hinzukommen möchte. Ein Motorrad mit mindestens 500 Kubik ist Pflicht. Ansonsten steht es jedem einzelnen frei, welche Marke er fährt, entsprechend bunt gemischt ist der Fuhrpark der Eagles. Ein halbes Jahr Hänger, ein halbes Jahr Prospect, dann fällen die Member das Urteil. Das ist der übliche Weg in die Gemeinschaft.

Auch bei anderen Entscheidungen wird demokratisch verfahren - man legt Wert auf Gemeinsamkeit statt auf hierarchische Befehlstrukturen. Dies drückt sich auch darin aus, dass man einen Schriftzug wie "Präsident" oder "Vize" vergebens sucht. "Wer uns kennt, der weiß, wer was ist - das reicht."

Auch im Dörfchen kennt und schätzt man den MC. Kein Wunder, kommen doch fast alle im Club aus der näheren Umgebung. Den weitesten Weg hat ein Member aus Mainz, der dennoch regelmäßig die Clubabende und die einmal monatlich stattfindende Sitzung anfahrt.

 

Guter Draht zu den Behörden

Zur Pflege der guten Beziehungen zur Dorfgemeinschaft beteiligt sich der MC schon einmal an der 800 Jahrfeier, überreicht dem Kindergarten eine Spende oder nimmt mit Erfolg an anderen Veranstaltungen des Ortsteil. So konnte Clubmember Bill beim Osterfeuer der Burschenschaft den Sieg für den größten Bauchumfang mit ins Clubhaus nehmen - stattliche 149 Zentimeter waren nicht zu schlagen. Solch gute Nachbarschaft führte dazu, dass man den Eagles den Auftrag zum Bau und zur Aufsicht über die Grillhütte des Dorfes übertragen hat, die seither als Clubhaus dient.

 

Hier fühlen sich die Gäste der zahlreichen Festen und Clubparties wohl. Und die Eagles kümmern sich fürsorglich. Clubmember Cimmy drohte nach ausgiebiger Feierei ins Lagerfeuer zu fallen und wurde vorsichtshalber an die Theke genagelt. Aus Gründen der Freundschaft allerdings nur mit der Jacke. Das ist echter Zusammenhalt.

Seit dreißig Jahren veranstalten die Eagles ihre Parties und Rallys auf dem gleichen Platz. Bis zu 2000 Besucher wurden schon auf der Wiese vor dem Clubhaus begrüßt. Wirklich Stress hat es bei den Feiern nie gegeben. Auch
die Ordnungshüter wissen das und halten sich freundlich zurück.

 

Dennoch war die mit Abstand größte Truppe, die eine Eagles-Rallye besuchte, das LKA, das mit mehr als 70 Leuten 1999 die Jahresrally des Eagles MC Highland aufsuchte. Aufgrund der damaligen Verschiebungen in der deutschen Clubszene fürchteten die Behörden das Schlimmste für die Veranstaltung und bevölkerten vorsorglich die Hänge rund um das Clubhaus in voller Kampfausrüstung. Als gute Gastgeber versorgten die Eagles auch diese Gäste mit flüssiger und fester Nahrung. Die uniformierten Jungs hatten ein ruhiges Wochenende.

Auch Fred Kodlin war mal ein Eagle

Zahlreiche Freundschaften und Bekanntschaften in der Szene sind entstanden, die mit regelmäßigen Besuchen gepflegt und vertieft werden. Zum Beispiel zu den Motorradfreunden Rosenberg in der Steiermark. Sprachprobleme gibt es allerdings bisweilen, wenn die Steiermärker zum Gegenbesuch kommen und Bertel in tiefstem Dialekt seine Bestellungen aufgibt. Mit der Zeit ahnt man aber, was er haben will.

 

Sehr gute Verbindungen bestehen auch ins benachbarte Jesberg, wo Edel-Bike-Schmiede von Fred Kodlin beheimatet ist. Bei Veranstaltungen steht der MC gerne als Security zur Verfügung. Kein Wunder, verbindet die Eagles und Fred Kodlin doch eine lang zurückreichende Bekanntschaft. Schließlich war Fred in jungen Jahren selbst als Clubmember mit den Eagles unterwegs. Einige der Älteren im Club können sich noch gut erinnern " ... wie der damals seinen ersten Chopper aus einer 5OOer Honda zusammengeschweißt hat!" Geschichten wie diese können die Eagles nach dreißig Jahren zuhauf erzählen.

 

Gastfreundschaft unter Bikern hatte und hat hier Tradition - in Freundschaft und mit dem nötigen Respekt. Dann ist jeder willkommen. Das war auch so, als vor dem Clubhaus das große Zelt aufgebaut wurde, um das 30jährige Club-Bestehen zu feiern - mit Live Band und Stimmung wie in den guten alten Zeiten. Für die richtige Einstimmung sorgte die Dia-Show am Freitag mit Bildern aus den frühen Club-Jahren. Am Samstag füllte sich das Gelände bei bestem Bikerwetter mit MCs und Freebikern, die sich die Zeit bei Benzingesprächen oder auf der Händlermeile nicht lang werden ließen. Nach Sonnenuntergang ließ "Born Wild" die Bühne beben und sorgte im Festzeit für drangvolle Enge. Bei einem solchen Jubiläum dürfen natürlich Ehrungen, Geschenke und Pokale nicht fehlen. Geehrt wurden Presi Dieter und seine Frau Renate als Gründungsmitglieder sowie Leo und Herby für jeweils 20 Jahre Membership und Einsatz für den Club. Die Crusaders griffen den Pokal für den größten Club ab. Dann waren die Eagles selbst an der Reihe, die zahlreichen Geschenke der Clubs anzunehmen - deutliche Zeichen für beste Beziehungen und Freundschaften in der Szene. Die wurden in der anschließenden Partynacht dann noch ordentlich begossen und vertieft.